Freitag, Jänner 13, 2006

2. Essay

Boas und Nachfolger

Der bekannteste amerikanische Anthropologe (wenn wir L.H. Morgan ignorieren) und sozusagen Vater der amerikanischen Kulturanthropologie war Franz Boas.
Nicht nur, dass er die „Vier-Felder-Struktur“ entwickelte und die nächsten Generationen ausbildete, brachte er auch den Fokus auf Kultur in der Anthropologie - im Gegensatz zur britischen Schule, welche mehr Wert auf die sozialen Strukturen legte [1].

Geboren am 7. September 1858 in Minden, irgendwo in Deutschland wuchs Boas in einer deutsch-jüdischen Familien auf, um anschließend an Universitäten in Heidelberg, Bonn und Kiel Geographie zu studieren.
1886 wanderte er schließlich in die U.S.A. aus, wo er sich intensiv mit den Indianern im Nordwesten Amerikas beschäftigte.
1899 bekam er den Posten Professor an der Universität von Columbia, durch den er viele amerikanische Anthropologen beeinflussen konnte.
Am 22. Dezember 1942 verstarb er in New York.

Ursprünglich ein Geograph, reiste Boas 1883 in die kanadische Arktis (Baffin Island) zu den Inuit und verglich die geographische Beschaffenheit der Landschaft mit dem Wissen, das die Einwohner darüber hatten. Bei dieser ersten Feldforschung entstand seine Faszination für die Anthropologie.
Bekannter ist jedoch seine Arbeit bei den Kwakiutl (mit ihrem Geschenkfest Potlach).
Die Kwakiutl waren eine sesshafte Jäger- und Sammlerinnen-Gesellschaft, die in Wohlstand lebte (erkennbar am Geschenksaustausch = Potlach), was im Gegensatz zu Morgans Evolutionismus stand, der diese Gesellschaftsform als eine eher bescheidenere ansah.
Morgan wurde öfters von Boas kritisiert. Er empfand den Evolutionismus als zu ethnozentrisch und lehnte die enge Verbindung mit dem Holismus ab.
Aus diesem Grund entstand der Kulturrelativismus.
Er steht im Gegensatz zum Ethnozentrismus, in dem die eigene Kultur der Maßstab aller Dinge ist. Das Kernkonzept des Kulturrelativismus ist, eine Kultur aus ihrem eigenen Kontext zu erklären (emisch betrachten). Man unterscheidet zwischen dem starken und dem schwachen Kulturrelativismus.
Der starke Kulturrelativismus verabsolutiert die Unterschiede zwischen den verschiedenen Kulturen, während der schwache Kulturrelativismus sowohl die Unterschiede als auch die Gemeinsamkeiten akzeptiert.
Der Universalismus ist eine andere Variable , den nur die Gemeinsamkeiten interessieren, aber nicht die Unterschiede.
Ein weiterer Grund für den Kulturrelativismus war der Rassismus. Als Hitler in Deutschland an Macht gewann, begann Boas sich gegen den Nationalsozialismus dort zu äußern.

Zu seinen wichtigsten Werken gehören:
The Mind of Pimitive Man (1911)
Primitive Art (1926)
Anthropology and Modern Life (1928)
General Anthropology (1938)
Race, Language and Culture (1940)

Sein Einfluss war vor allem wegen seiner Studenten so weitreichend.
Die erste Generation bildete er vor dem ersten Weltkrieg aus, welche ihren Schwerpunkt auf den historischen Aspekt der Anthropologie legten.
Die zweite Generation bildete er in den 20er Jahren des 20. Jh. aus, welche sich mehr auf den psychologischen Teil konzentrierte. Die dritte Generation folgte in den 30er Jahren. Er sorgte dafür, dass sie wichtige Stellen bekamen und gründete auch Organisationen (American Anthropological Association).
Zu seinen bekanntesten Schülern gehören Alfred Kroeber, Robert Loewi, Edward Sapir, Paul Radin, Alexander Goldenweiser, Frank Speck, Fay-Cooper Cole, Melville Herskovits, Clark Wissler, Leslie Spier, Ruth Benedict und Margaret Mead.
Obwohl seine Studenten meist unter dem Namen „Boasianer“ zusammengefasst werden, waren sie doch sehr unterschiedlich [2].
Man kann zwischen denen unterscheiden, die eher strikt die Meinung Boas teilten (obwohl dessen Meinung sich auch öfters änderte) und den eher rebellischen Boas-Jüngern.

Aber wie alle mächtigen Männer hatte auch Boas missgünstige Gegner, welche ihn oft kritisierten. Als Boas gegen den Eintritt der U.S.A. in den ersten Weltkrieg protestierte, beschuldigten sie ihn, dass seine Sympathien bei Deutschland lägen, obwohl der war Grund seine pazifistische Natur war.

Wie vorhin schon erwähnt, lag der Fokus der zweiten Generation der Boas-Schüler auf der Psychologie mit wenig Interesse in die Geschichte der verschiedenen Kulturen. Diese zweite Generation, zu denen Ruth Benedict, Margaret Mead und Clyde Kluckhohn gehörten, entwickelten die „culture-and-personality-school“, in die später durch Ralph Linton ein britischer Einfluss eingewebt wurde.
Auch einige Frauen gehörten zu dieser Generation, die zwar beruflich gesehen nicht so erfolgreich waren wie ihre männlichen Kollegen, aber dafür von Franz Boas höchstpersönlich Projekte ausgesucht bekamen.

Ruth Benedict erblickte am 5. Juni 1887 die Welt (auf den Geburtsort konnte man sich bis jetzt jedoch noch nicht einigen). Geboren unter dem Namen Fulton studierte nach dem mysteriösen Tod ihres Vaters an einer seltsame Krankheit an der Frauenuniversität Vassar Literatur. Sie heiratete 1914 Mr. Benedict, der 1936 verstarb. 1921 wurde sie auf die Columbia Universität zugelassen, wo sie auch eine Weile blieb.
Zu ihren bekanntesten Werken gehören „Patterns of Culture“ und „The Chrysanthemum and the Sword“. Das zweite schrieb sie auf Wunsch der amerikanischen Regierung während des zweiten Weltkrieges, welche die japanische Kultur besser verstehen wollte um sie effektiver bekämpfen zu können. Da Feldforschung zu diesem Zeitpunkt nicht ganz so ideal war, entnahm Benedict ihr wissen aus der Literatur und Interviews mit japanischen Gefangenen.
An „Patterns of Culture“ arbeitete sie von 1922 bis 1927. Sie berieb Feldforschung in Kalifornien und New-Mexiko, wo ihr die kulturellen Unterschiede zwischen den Zuni und den Pima auffiel, die fast Nachbarn waren. Ihr Buch in dem es um die Probleme der kulturellen Vielfalt geht, endet mit einem Plädoyer für mehr Toleranz.

Ihre Kollegin Margaret Mead 1901 in Philadelphia geboren, ist bekannt für ihr Werk „Coming of Age in Samoa“. Ihr Ziel war es herauszufinden, ob die Pubertät zwangsläufig eine problematische Phase ist oder kulturell bedingt. Dieses Thema schlug ihr natürlich Boas vor. Das Ergebnis war, dass dort die Sexualität offener behandelt wird und die jungen Menschen dort viel mehr Freiheiten haben.
Allerdings kritisierte Derek Freeman nach ihrem Tod, dass das Ganze bloß ein Südseemythos sei und ihr Ergebnis von Boas beeinflusst worden war, der zeigen wollte, dass der Einfluss der Kultur höher war als veranlagte Eigenschaften (= Kulturdeterminismus).


[1]...vgl. Barth; Gingrich; Parkin; Silverman: One Discipline, Four Ways: British, German, French, and American Anthropology; S.258

[2]…vgl. Barth; Gingrich; Parkin; Silverman: One Discipline, Four Ways: British, German, French, and American Anthropology; S.263

Quellen:

Barth, Frederic; Gingrich, Andre; Parkin, Robert; Silverman, Sydel:
One Discipline, Four Ways: British, German, French, and American Anthropology. The Halle Lectures. Chicago: University of Chicago Press. 2005

Vorlesungen von Prof. Dr. Andre Gingrich
Tutorium von Daniela Digruber und Andrea Handl

www.biography.com/search/article.jsp?aid=9216786&search

de.wikipedia.org/wiki/Franz_Boas

http://de.wikipedia.org/wiki/Ruth_Benedict

http://www.webster.edu/~woolflm/ruthbenedict.html
www.rzuser.uni-heidelberg.de/~tkirrste/kulturrelativismus.html

Freitag, November 25, 2005

1.Essay

Durkheim

David Émile Durkheim, kam am 15. April im Jahre 1858 in Epinal in der Lorraine als Sohn des Rabbiners Moise Durkheim auf die Welt. Zwar genoss der Junge eine religiöse jüdische Erziehung (inklusive Hebräisch-Unterricht) um in die Fußstapfen seines Vaters, seines Großvaters und seines Urgroßvaters treten zu können (welche anscheinend alle Rabbis waren), doch wandte er sich aber später in Paris trotzdem von seiner Religion ab.
Nach dem Abschluss seiner Schulausbildung in Paris gelang ihm der Zugang zur École Normale Supérieure, an der er Philosophie studierte. Er war auch politisch engagiert auf der Seite der Republikaner.
Sein Vorbild war der Philosoph Charles Renouvier, den er auch andachtsvoll seinen großen Meister nannte.
Er lehrte an mehreren Gymnasien bevor er für einige Zeit nach Deutschland ging. Während dieser Zeit besuchte er auch Willhelm Wundts psychologisches Laboratorium in Leipzig.
Wieder in Frankreich unterrichtete er Sozialwissenschaft und Pädagogik in Bordeaux, bevor er zur Sorbonne wechselte. Dort verblieb er auch für den Rest seiner Karriere.
Zwei Jahre nach dem Tod seines geliebten Sohnes André starb auch er im Jahre 1917 auf Grund eines Schlaganfalls.

Durkheim hat in Europa dafür gesorgt, dass die Kultur- und Sozialanthropologie eine Nähe zu anderen Sozialwissenschaften hat. Er gilt als einer der Begründer der Soziologie als empirische Wissenschaft und des Strukturalismus. Kritisierbar ist sein Mangel an Feldforschungen.

Zu seinen Lebzeiten schrieb Durkheim noch eine Vielzahl an bedeutenden Werken, von denen hier nur einige aufgezählt werden, darunter:
De la division du travail social (1893)
Règles de la méthode sociologique (1894)
Le suicide (1897)
Représentations individuelles et représentations collectives (1898)
L'éducation morale (1903)
Les formes élémentaires de la vie religieuse (1912)
Education et Sociologie (1922)
Sociologie et Philosophie (1925)
L'Évolution pédagogique en France (1938)
La Science sociale et l'Action (1970)
Und viele Artikel aus dem „Année Sociologique“.

Im Gegensatz zu den Evolutionisten konzentrierte sich Durkheim mehr auf die Gegenwart, und in Folge auch auf die Gesellschaft, als auf die Vergangenheit.
In seinem Werk «De la division du travail social » (1893) knüpfte er an Jean Jacques Rousseaus Gesellschaftsvertrag an, wobei er versuchte, dass Zusammenleben in den Kolonien und anderen Kulturen zu erklären.
Durkheim fiel auf, dass die moderne europäische Gesellschaft eine industrialisierte Gesellschaft war. Auf Grund der Spezialisierung war man zur einem hohen Grad der Arbeitsteilung gezwungen. Unabhängige Selbstversorger gab es kaum noch, zusammenleben und zusammenarbeiten war notwendig. Dieses System nennt Durkheim „organische Solidarität“.
Im Gegensatz dazu war es in den weniger oder nicht industrialisierten Gesellschaften (wie bei Nomaden oder Jäger und Sammlerinnen-Gesellschaften) nicht möglich auf Arbeitsteilung aufzubauen. Diese Kulturen brauchten etwas anderes für den inneren Zusammenhalt. Aber in diesen Gemeinschaften waren alle mehr oder weniger gleichgestellt. Diese Gemeinsamkeiten, die selbe Kultur, die selbe Religion, die selbe Stellung auf der sozialen Leiter und die selbe Identität hielten sie zusammen. Das ist die „mechanische Solidarität“.

Was « Les formes élémentaires de la vie religieuse » betrifft, so möchte ich zuerst noch erwähnen, dass Durkheim nicht die Meinung der englischen Schule vertrat, welche meinten, dass Religion aus der Notwendigkeit der indigenen Völker entstand, Naturgewalten und Phänomene wie den Tod zu erklären.
Unser französische Soziologe hingegen behauptete, das die Entstehung der Religion von der Gesellschaft ausgeht.
Während die meisten seiner Werke eher soziologischer Natur sind, ist seine Beschäftigung mit Religion das wohl anthropologischste seiner Bücher. Das Thema de Religion erlaubt uns auch noch am Besten einen Einblick in seine Gedanken.

Ein anderer Fokus von Durkheim lag auf der Zweiteilung von Heilig und Profan. Er war der Meinung, dass das Heilige durch das Profane bedroht wird in Form von den individuellen Interessen welche die Anordnungen der Gesellschaft gefährden. Diejenigen, die durch sündige oder kriminelle Aktionen gegen die Regeln der Gesellschaft verstießen, machten sich zu antisozialen Individuen. Sein Schüler Robert Hertz beschäftigte sich noch weiter mit dem Thema; Roger Callois hingegen kritisierte Durkheim in diesem Punkt.
Durkheim meinte, dass uns die Gesellschaft unsere Wertvorstellungen geben und uns an das Heilige glauben lassen, das wichtiger ist als einzelne Individuen oder sogar eine Masse an Menschen. Dadurch lernen wir Verantwortung zu übernehmen und die Kategorien, in die wir dann die Welt einordnen können.

Ein weiteres Werk Durkheims, „Le suicide“, was ich nun grob als Selbstmord übersetzen werde, handelt genau davon, was auch der Titel andeutet. Dieses Thema wird normalerweise eher der Psychologie zugeordnet, doch Durkheim demonstrierte uns, dass auch ein soziologischer Aspekt zu finden war.
Er unterschied zwischen verschiedenen Arten von Selbstmord , wie zum Beispiel dem altruistischen oder dem egoistischen.
In Europa wird das selbstständige Durchtrennen des Lebensfadens als etwas Geächtetes angesehen, als ein Akt der Schwäche. In der Bibel wird Suizid als eine schreckliche Sünde angesehen.
In Ozeanien hingegen ist das etwas anders: Wenn zum Beispiel Person A böse auf Person B ist, dann kann A B anprangern und sich selbst danach das Leben nehmen.

Außerdem gründete er 1898 die interdisziplinäre Zeitschrift „Année Sociologique“ zusammen mit anderen Gelehrten, welches sich großer Beliebtheit erfreute und zur Grundlage der Durkheim-Schule wurde.

Durkheim versammelte um sich herum auch eine fröhliche Schar von Historikern, Philosophen, Juristen und vielen anderen, welche heute nur noch liebevoll die „Durkheimianer“ genannt werden.
Zu ihnen zählen Robert Hertz, Henri Hubert, Maurice Halbwachs, Célestin Bouglé, Paul Faconnet, Emmanuel Lévy und natürlich Marcel Mauss.
Mauss war nicht nur sein Kollege und Nachfolger, sondern auch Durkheims Neffe, der Sohn seiner älteren Schwester. Da Vater Mauss früh verstarb, nahm der Onkel den Jungen unter seine Fittiche. Wie der ältere Soziologe studierte auch Mauss in Bordeaux und folgte ihm später nach Paris.

Einer seiner Kritiker war der Belgier Arnold Van Gennep, der oft nicht einer Meinung war mit dem französischen Soziologen. Allerdings stimmte er mit Durkheim bei dem Thema Religion überein: er meinte, dass Religion vom Menschen entwickelt sei und die nichtmenschlichen Erfahrungen menschlichen Erfahrungen nachempfunden seien.


Quellen:
www.kfunigraz.ac.at/sozwww/agsoe/lexikon/klassiker/durkheim/12bio.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Emile_Durkheim#Werk

http://atheisme.free.fr/Biographies/Durkheim.htm

http://www.relst.uiuc.edu/durkheim/Biography.html

Barth, Frederic; Gingrich, Andre; Parkin, Robert; Silverman, Sydel: One Discipline, Four Ways: British, German, French, and American Anthropology. The Halle Lectures. Chicago: University of Chicago Press. 2005.

Barnard, Alan: History and Theory in Anthropology. Cambridge: Cambridge University Press. 2000.

Vorlesungen von Prof. Dr. Andre Gingrich
Tutorium von Daniela Digruber und Andrea Handl

Donnerstag, Oktober 27, 2005

Windglas

Hi!
Leider dürfte hier im Moment nicht viel zu sehen sein.
Trotzdem danke ich euch, dass ihr euch die Mühe gemacht habt, meine bescheidenen Worte zu lesen. Irgendwann einmal in ferner Zukunft wird hier noch mehr zu lesen sein.
Bis dann!